Ein ADS-Kind kann Familien schnell an den Rand der Belastbarkeit bringen. Meist ist es in Bewegung, scheint auch bei direkter Ansprache nicht zuzuhören, verliert und vergisst häufig etwas, redet und handelt in den unpassenden Momenten.
Problem Einschulung
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Ritalin - immer häufiger wird es jungen Menschen, die unter ADS leiden, verschrieben, wenn auch erst nach eingehender Diagnose. Nicht wenige aber befürworten alternative Methoden |
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Foto: Jens Weber |
Ganz schwierig wird diese Situation mit der Einschulung. Das Kind muss sich an feste Regeln halten, sich über einen längeren Zeitraum konzentrieren und nachmittags seine Hausaufgaben erledigen - und ist damit überfordert. Es ist oft der Beginn einer "Negativ-Schulkarriere".
Margit Wilhelmy kennt die Sorgen in diesen Familien, beobachtet aber auch skeptisch das Tempo, mit dem das Psychopharmaka Ritalin verschrieben wird. "Die Ritalinproduktion hat in den vergangenen acht Jahren mehr als das Siebenfache erreicht", sagt sie und erhebt den Vorwurf: "Man könnte glauben, es wird als schnelle Patentlösung gehandhabt, um gefügige Kinder zu bekommen."
Doch leichtfertig verschrieben wird Ritalin nicht. Denn die Diagnose ist ein langwieriger Prozess - mit Fragebögen für Eltern, Kinder und Lehrer sowie psychologischen Tests bei Fachärzten.
Margit Wilhelmy stützt sich in ihrer Skepsis auf Untersuchungen amerikanischer Wissenschaftler, wonach "Ritalin kein biochemisches Ungleichgewicht korrigiert, sondern es vielmehr verursacht". Diese These steht den Studien von Ritalin-Befürwortern entgegen, die von einer Fehlfunktion im Gehirn ausgehen, die die Aufnahme und Weiterverarbeitung von Informationen stört.
Margit Wilhelmy gibt zu bedenken: "Kinder haben keine Störungen, sie leben in einer gestörten Welt." Nach gründlichen Studien und beruflichen Erfahrungen ist sie zu der Ansicht gelangt, dass die Hauptursache von Hyper-Aktivität und Aggression bei Kindern aus Konflikten in der Familie oder der Schule herrührt. Oft stecken ihrer Meinung nach auch genetisch bedingte Stoffwechselstörungen dahinter und: "Eine weitere Ursache sind Allergien und ein schwaches Immunsystem. Ich habe schon Wunder erlebt, wenn das Allergen weggelassen wurde."
Neben dem Abbau von Allergien und einer Umstellung auf zuckerfreie Ernährung hat sie gute Erfahrungen mit Familienberatung und Psychotherapie gemacht.
Hilfreich für Kinder seien auch kleinere Schulklassen. "Wichtig sind grundlegende Veränderungen in jenem hektischen Umfeld, mit dem sich so viele Kinder heute konfrontiert sehen. Wir brauchen einen kreativen Unterricht und Eltern, die mehr Zeit für ihre Kinder haben."
Brigitte Meier