Kinder zu guten Ehepartnern erziehen
 

Veranstaltungsreihe des Instituts für Psychische Gesundheit: Vortrag "Wie Partnerschaft gelingt"
 

COCHEM. Es gehört Mut dazu, Probleme in der Ehe oder Partnerschaft offen anzugehen. "Eheprobleme sind die am besten gehüteten Geheimnisse", stellte Dr. Hermann Josef Simonis fest. Und beschrieb so die zu bewältigende Ausgangssituation von Paaren, die ernsthaft entschlossen sind, aus ihrer Krise herauszukommen.

Im Rahmen einer Vortragsreihe des Instituts für Psychische Gesundheit (IPG) erläuterte der Allgemeinmediziner mit psychotherapeutischen Schwerpunkten vor einem sehr interessierten Publikum im Bürgerhaus in Cochem-Sehl seine Thesen zum Gelingen einer Partnerschaft.

Um möglichen Zweiflern an seiner Kompetenz zu diesem Thema den Wind aus den Segeln zu nehmen, gab Dr. Simonis zu: "Ja, auch meine Ehe ist gescheitert." Und mit dem Verweis auf die Suchttherapie von Alkoholkranken meint er: "Wer selbst betroffen ist, kennt die Probleme am besten."

Jede dritte Ehe auf dem Land wird geschieden, und in den Städten scheitert sogar jede zweite Partnerschaft. Jüngere Männer und Frauen stehen häufiger vor den Scherben ihrer einstigen Liebe als ältere.

Dr. Simonis beschrieb die vier Lebensphasen eines Paares und deren Gefährdungen: Während frisch Verheiratete ohne Kinder noch gut harmonieren, tun sich die meisten Krisen auf, wenn aus der Zweierbeziehung durch Kinder eine Familie wird. Als Risiken kommen in dieser Phase beruflicher und wirtschaftliche Aufbau hinzu.

 

Die dritte Phase verläuft in der zweiten Lebenshälfte. Hier verlieren viele Frauen den Sinn ihres Lebens, wenn die Kinder aus dem Haus gehen. Auch diese Umstellung überleben nicht alle Ehen.

Selbst in der vierten Phase, im Alter kann die Harmonie des Paares verloren gehen, zum Beispiel weil sie den veränderten Alltag als Rentner nicht bewältigen.

"Nur wenige Paare holen sich Hilfe", bedauerte Dr. Simonis. Dazu gehört natürlich das eigene Bekenntnis zur Krise, was schwer fällt. Doch eine Paartherapie bei der Lebensberatung oder einem Therapeuten ist nach der festen Überzeugung des Referenten eine echte Chance. Denn in der Therapie lernen die Ratsuchenden zum Beispiel, dass Männer und Frauen in bestimmten Situationen ganz unterschiedlich reagieren. Sie lernen aber auch, dass "typisch" männliches oder weibliches Verhalten geändert werden kann.

Durch die Gespräche mit dem Therapeuten wird den Paaren zudem klar, dass nicht nur die bestehenden Konfikte die Partnerschaft beeinflussen, sondern dass alle Erlebnisse und Erfahrungen ihrer Vergangenheit noch Gewicht haben. "Verantwortlich für die Krise sind immer beide Partner, aber auch das Schicksal", erklärte der Referent. Und da schließt sich der Kreis: Denn die Fähigkeit zur ebenbürtigen Partnerschaft wird Kindern durch das Vorbild der Eltern vermittelt.

 

Über das Gelingen einer Partnerschaft referierte Dr. Hermann Josef Simonis.
Die Vorstandsmitglieder des Instituts für Psychische Gesundheit (IPG),
Maria Thönnes, Dr. Karl-Heinz Hay (von rechts hinten), Anne Feiden-Saxler, Margit Wilhelmy und Alexa Hilger (von links vorn) bereiten weitere Vorträge
zu einer Veranstaltungsreihe vor. Foto: Brigitte Meier

Eine Paartherapie ist nicht immer eine Garantie für die Rettung der Ehe. Aber sie findet in jedem Fall die beste Lösung für die ganze Familie, und das kann auch eine Trennung sein. Eine faire Scheidung, vor allem zum Wohl der betroffenen Kinder, kann ebenfalls mit Hilfe einer psychologischen Begleitung gut gelingen.    (bm)

 

Rhein-Zeitung - Ausgabe Mittelmosel vom 16.10.2004, Seite 11.