Jeder hat sein Päckchen zu tragen

Krank an Leib und Seele: Sechs Therapeuten vom Verein "Institut für Psychische Gesundheit" gehen Ursachen auf den Grund

Kinder mit Zappelphilipp-Syndrom, Jugendliche mit Selbstmordgedanken, Erwachsene mit unerklärlichem Bluthochdruck - diese Diagnosen gehören zum Alltag der Ärzte. Medikamente können zwar eine Hilfe sein, behandeln aber nicht die Ursache. Welche Therapie-Methoden es gibt, haben sechs Mediziner und Heilpraktiker vom Verein "Institut für Psychische Gesundheit" in Cochem vorgestellt.

COCHEM. "Ich will auf keinen Fall, dass jemand erfährt, dass ich bei Ihnen war!". Diesen Satz hört Dr. Hermann-Josef Simonis, Psychotherapeut und Allgemeinmediziner, immer wieder. Viele Menschen haben Angst einzugestehen, dass sie psychologische Hilfe brauchen. Warum? Vielleicht weil viele Psychologie und Psychiatrie verwechseln. Oder weil sie Angst haben, mit den eigenen Schwächen konfrontiert zu werden.

Jeder hat aufgrund von Kindheitserlebnissen oder Schicksalsschlägen sein Päckchen zu tragen. Doch was ist, wenn das Päckchen plötzlich zum Paket wird, das man alleine nicht mehr schleppen kann? Das nicht nur Seele, sondern auch Körper krank macht? Dann sollte man sich kompetente Hilfe holen. "Die Psychotherapie ist eine große Chance, sich weiterzuentwickeln", sagt Dr. Simonis. Man muss allerdings Mut haben. "Denn in den Gesprächen lernt man seine eigenen Schattenseiten kennen."

 

Doch die Psychotherapie ist nur eine Möglichkeit, Seele und Körper wieder in Einklang zu bringen. Welche Behandlungsmethoden es außerdem gibt, werden die sechs Therapeuten künftig bei Veranstaltungen im "Institut für Psychische Gesundheit" vorstellen. Geplant sind auch Vorträge zum Thema Depression, Mobbing, Essstörungen, Süchte oder Ängste. Außerdem soll es Heilfasten-Wanderwochen oder Familienstellseminare nach Bert Hellinger geben.

Rund 80 Gäste besuchten die Veranstaltung im Cochemer Bürgerhaus, bei der sich der neu gegründete Verein "Institut für Psychische Gesundheit" vorstellte. Fotos: Birgit Pielen
 

Die Therapeuten, die sich im "Institut für Psychische Gesundheit" engagieren, sind neben Dr. Simonis der Psychosomatiker und Tiefenpsychologe Heinz Bremm, der Psychotherapeut Dr. Karl-Heinz Hay, die Heilpraktikerinnen Alexa Hilger, Anne Feiden- Saxler und Margit Wilhelmy.

Thema wird auch die Behandlung von Kindern sein. Was kann man tun bei Schulangst, Konzentrationsschwäche, Hyperaktivität oder ADS? Die Erfahrung von Margit Wilhelmy hat nicht nur gezeigt, dass die Zahl der betroffenen Kinder erschreckend zunimmt, sondern dass sich hinter solchen psychischen Erkrankungen oft Stoffwechselstörungen verbergen. Margit Wilhelmy: "Es ist noch viel Aufklärung und Information notwendig, damit diese Jungen und Mädchen nicht als Problemkinder abgestempelt werden." Birgit Pielen
  Was bringt Psychotherapie?
Das erläuterte Dr. Hermann-Josef Simonis
 in einem Vortrag.

 

Weitere Informationen und Auskünfte gibt es beim Institut für Psychische Gesundheit e.V., Jahnstraße 2, 56812 Cochem, Telefon und Fax: 02671/3333, im Internet unter www.institutfuerpsychischegesundheit.de .

Rhein-Zeitung - Ausgabe Mittelmosel vom 30.01.2004, Seite 15.